Harmlose Bauchschmerzen oder eine gefährliche Blinddarmreizung? Gerade bei Kindern sind die Symptome schwer voneinander zu unterscheiden. Dabei machen neun bis vierzehnjährige den größten Anteil unter den Erkrankten aus, die an einer Reizung des sogenannten Wurmfortsatzes am Blinddarm leiden. Wie man eine Blinddarmreizung erkennen kann und wann ein sofortiger Gang zum Arzt notwendig wird, soll dieser Artikel klären.

Blinddarmreizung Anzeichen

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Die ersten Anzeichen sind in der Regel Krämpfe im Bauch oder auch Bauchschmerzen.

Auch wenn es keinen eindeutigen oder typischen Krankheitsverlauf gibt und die Erkrankung in allen Altersgruppen auftreten kann, gibt es ernstzunehmende Hinweise auf Blinddarmreizung Symptome.

Der erste Hinweis auf eine Reizung sind Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe, die sich in unterschiedlicher Intensität bemerkbar machen. Sie können mit Seitenstichen beginnen und sich dann verschlimmern, in der Zwischenzeit aber auch schwächer werden oder sogar ganz verschwinden. Diese Widersprüchlichkeit macht die Blinddarmreizung so gefährlich, denn oft wird sie als Bauchschmerz abgetan und erst dann weiter beachtet, wenn es zu einer richtigen Entzündung gekommen ist. Im Unterschied zu Verdauungsproblemen sind Bauchschmerzen bei einer Blinddarmreizung jedoch im Regelfall so stark, dass die Erkrankten selbst bei leichten Berührungen am Bauch über Schmerzen klagen und sich kaum noch bewegen möchten. Typischerweise legen sie sich gekrümmt hin, um in dieser Schonhaltung weitere Schmerzen zu vermeiden.

bauchnabel

Die Schmerzen fangen in der Regel in der Bauchnabel Region an.

Oftmals beginnen die Schmerzen in der Region um den Bauchnabel herum und verlagern sich in den rechten Unterbauch. Kommen dann noch Fieber, Schüttelfrost, ein erhöhter Puls oder Übelkeit und Erbrechen hinzu, sind dies weitere Hinweise auf eine Reizung des Blinddarms. Durch einen kleinen Drucktest kann überprüft werden, ob der Betroffene unter einem Loslasschmerz leidet. Dazu wird auf den schmerzenden Punkt am Bauch Druck mit den Fingern ausgeübt und dann abrupt losgelassen. Während der Druck auf die Stelle Linderung verschafft, verursacht das Loslassen einen starken Schmerz. Der Betroffene kann ebenso dazu aufgefordert werden, auf dem rechten Bein stehend zu hüpfen – werden die Schmerzen in der Bewegung stärker, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Blinddarmreizung.

Blinddarmreizung was tun?

Da wie schon erwähnt der Krankheitsverlauf gerade bei Kindern und Jugendlichen variieren kann und eine Blinddarmreizung sich zudem schwer von einer echten Blinddarmentzündung unterscheiden lässt, gilt: Im Zweifel ab zum Arzt bzw. ins Krankenhaus! Die Symptome einer harmlosen Reizung und einer Entzündung des Blinddarms sind in der Regel dieselben. Letzteres ist allerdings ein akuter Notfall, der sofort behandelt werden muss und einer Operation bedarf. Ansonsten kann es zu einem lebensgefährlichen Durchbruch des Blinddarms kommen. Oftmals geht eine Blinddarmreizung einer Blinddarmentzündung voraus, daher ist es notwendig, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen und weitere Behandlungsmöglichkeiten abzuklären. Sind die Schmerzen so stark, dass der Betroffene nicht mehr sitzen kann, ist ein Liegendtransport ins Krankenhaus notwendig. Auf keinen Fall sollte man sich scheuen, notärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen – denn schnelles Handeln kann in diesem Fall Leben retten. Schmerzmittel oder Abführmittel sollten ebenfalls nicht auf eigene Faust genommen werden, sondern nur in Absprache mit einem Arzt.

Blinddarmreizung und ihre Ursachen

Der Blinddarm ist eigentlich ein Relikt aus grauen Urzeiten und wird heute nicht mehr benötigt. Solange ihm nichts in die Quere kommt, schadet der blinde Wurmfortsatz am Darm auch nicht weiter. Doch da der Blinddarm aus unzähligen Lymphfollikeln besteht und diese sehr anfällig für Erreger sind, kann er sich leicht entzünden. Zudem besteht die Gefahr, dass Fremdkörper aus der Nahrung, z.B. Obstkerne eindringen und eine Infektion verursachen. Wurmbefall oder ein Abknicken des Wurmfortsatzes zählen ebenso zu den Auslösern, wenn sie auch seltener sind. Daher sollte bei einer Reizung des Blinddarms immer auch die Ursache abgeklärt werden, um weitere Komplikationen zu vermeiden.

Behandlung und Heilungsaussichten

Handelt es sich um eine akute Entzündung des Blinddarms, kommt der Betroffene um eine Notoperation nicht herum. Ob eine Entzündung oder eine Reizung vorliegen, klärt eine Untersuchung per Ultraschall sowie eine Blutentnahme. Im ersteren Fall muss der Wurmfortsatz des Blinddarms operativ entfernt werden – heutzutage ein Routineeingriff und durch die Schlüssellochtechnologie (der operative Eingriff wird durch ein kleines Loch in der Bauchdecke vorgenommen) können größere Narben verhindert werden. Danach ist absolute Bettruhe und einige Wochen Schonung angesagt, ehe der Betroffene wieder seinem normalen Alltag nachgehen kann.
Handelt es sich „nur“ um eine Reizung des Blinddarms, kann auch mit der Gabe von Antibiotika geholfen werden, die einer Entzündung Einhalt gebieten. Auch in diesem Fall ist aber Schonung und erhöhte Aufmerksamkeit geboten, denn aus der Reizung kann jederzeit eine Entzündung entstehen.

Das Fazit: Eine Blinddarmreizung ist nur schwer von einer Entzündung zu unterscheiden. Bei Symptomen, die auf eine dieser Erkrankungen hindeuten, heißt es daher – vor allem bei Kindern: Lieber einmal zu viel zum Arzt, als lebensgefährliche Komplikationen zu riskieren.


Der Blinddarm im Video erklärt